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Krypto ist sicher! – Von Gewalt & Entführungen in der Fintech-Branche

Krypto ist sicher! – Von Gewalt & Entführungen in der Fintech-Branche

Krypto ist sicher!

Fintechs und vor allem Kryptowährungen wie Bitcoin werden häufig als moderne Alternative für digitale Transaktionen genannt. Dabei werden Transaktionen nicht „durch Blockchains verschlüsselt“, sondern in einer Blockchain dokumentiert und kryptografisch abgesichert.

Bitcoin-Transaktionen können direkt zwischen zwei Parteien im sogenannten Peer-to-Peer-Verfahren durchgeführt werden, ohne dass eine klassische Bank zwischengeschaltet ist. Gleichzeitig sind sie jedoch nicht vollkommen anonym, sondern vielmehr pseudonym: Alle Transaktionen sind öffentlich in der Blockchain einsehbar und können unter bestimmten Umständen zurückverfolgt werden. Dennoch sind sie immer noch eine der sichersten Zahlungswege. Der Handel mit Kryptowährungen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem milliardenschweren Markt entwickelt und zählt heute zu den bedeutendsten Bereichen der digitalen Finanzwelt.

Gerade diese vergleichsweise schwer nachvollziehbaren Zahlungswege machen Kryptowährungen auch für kriminelle Akteure attraktiv. Im Darknet werden sie teilweise genutzt, um illegale Waren oder Dienstleistungen zu bezahlen. Ermittlungsbehörden beobachten deshalb seit Jahren, dass Kryptowährungen zunehmend auch im Bereich der organisierten Kriminalität verwendet werden. Mit dem starken Wertanstieg vieler Kryptowährungen geraten zudem immer häufiger Unternehmer und Investoren aus der Kryptobranche ins Visier von Straftätern. Die jüngsten Entführungsfälle in Frankreich zeigen, dass sich die Bedrohung inzwischen nicht mehr nur auf digitale Angriffe beschränkt, sondern zunehmend auch reale Gewaltverbrechen umfasst.

Nach einer Serie spektakulärer Entführungen und Entführungsversuche im Umfeld der Kryptoszene hat die französische Polizei mehr als 20 Verdächtige festgenommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass organisierte Tätergruppen gezielt wohlhabende Unternehmer und Investoren aus dem Bitcoin-Milieu ins Visier genommen haben, um hohe Lösegelder zu erpressen. Nach Angaben der Behörden konnte zuletzt sogar eine weitere geplante Entführung in der Nähe von Nantes verhindert werden.

Besonders für Aufsehen sorgte Anfang Mai die Entführung des Vaters eines bekannten Bitcoin-Unternehmers. Die Täter hielten den Mann zwei Tage lang fest und forderten mehrere Millionen Euro Lösegeld, bevor die Polizei ihn befreien konnte. In einem weiteren Fall versuchten maskierte Männer auf offener Straße, die Tochter eines Kryptounternehmers gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihrem Kind zu verschleppen. Der Angriff scheiterte erst durch das Eingreifen von Passanten. Bereits im Januar war zudem ein Mitgründer eines französischen Kryptounternehmens zusammen mit seiner Frau entführt worden. Um den Druck auf die Angehörigen zu erhöhen, trennten die Täter dem Mann einen Finger ab und verschickten ein Video davon.

Die Vorfälle haben in Frankreich eine Debatte über die Sicherheit vermögender Personen aus der Kryptowährungsbranche ausgelöst. Experten sehen darin ein Zeichen dafür, dass sich die Bedrohung für Besitzer großer Kryptovermögen zunehmend von digitalen Angriffen auf reale Gewalt verlagert. Die französische Regierung kündigte inzwischen an, die Sicherheitsmaßnahmen für gefährdete Unternehmer zu verstärken.

Aber dies ist kein frankreichspezifisches Problem. Immer wieder kommt es weltweit zu Entführungen und brutalen Gewaltstraftaten im Zusammenhang mit Kryptowährungen. So wurde auch ein 21-jähriger Ukrainer in Wien im November 2025 offenbar Opfer eines brutalen Verbrechens. Die österreichischen Ermittler gehen davon aus, dass zwei ukrainische Tatverdächtige den Mann entführten, um Zugriff auf seine Krypto-Wallets zu erhalten. Nach Angaben der Polizei wurde das Opfer in eine Tiefgarage eines Hotels gelockt, dort misshandelt und gezwungen, die Zugangsdaten zu seinen digitalen Wallets preiszugeben. Anschließend sollen die Täter große Geldsummen aus den Wallets transferiert haben.

Die beiden Verdächtigen, ein 19- und ein 45-jähriger Ukrainer, flohen kurz nach der Tat in die Ukraine und wurden dort wenig später festgenommen. Die Ermittlungen laufen inzwischen in Zusammenarbeit mit ukrainischen Behörden und Europol. Laut österreichischer Polizei deutet vieles darauf hin, dass finanzielle Motive hinter dem Verbrechen standen. Bei den Festnahmen wurden zudem größere Mengen Bargeld sichergestellt.

Ähnliche Berichte stammen aus den USA, Südamerika und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Dennoch scheint Frankreich, und damit auch Europa, derzeit ein Hotspot dieser Entwicklung zu sein. Das bedeutet dementsprechend auch für deutsche Krypto-Unternehmer, Sicherheit nicht nur digital, sondern auch physisch zu denken.

Quellenangaben
Titelbild von wsf-f – stock.adobe.com

https://www.spiegel.de/netzwelt/web/frankreich-20-festnahmen-nach-entfuehrungsversuchen-in-der-bitcoin-szene-a-daa39017-861a-479d-be08-f52231c2fd25

https://www.theblock.co/post/381327/police-arrest-two-ukrainian-men-after-vienna-killing-linked-to-crypto-wallet-theft

https://www.lemonde.fr/en/france/article/2025/05/31/france-charges-25-suspects-in-crypto-abduction-cases_6741869_7.html

https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/grosserer-schlag-der-polizei-20-festnahmen-nach-entfuhrungsversuchen-im-bitcoin-milieu-in-frankreich-13766446.html

https://apnews.com/article/c7ebab2f67f9cafbaa8192c5fcc3a749

https://www.certik.com/resources/blog/the-rise-of-wrench-attacks-in-crypto

https://www.trmlabs.com/resources/blog/the-rise-of-wrench-attacks-and-crypto-related-violent-crime

https://www.chainalysis.com/blog/physical-attacks-crypto-owners-wrench-attacks

https://news.bitcoin.com/murder-of-son-of-ukrainian-deputy-mayor-may-be-tied-to-stolen-crypto-funds

https://novayagazeta.eu/en/articles/2025/11/07/convicted-russian-cryptocurrency-fraudster-and-wife-believed-murdered-in-uae-en-news

https://www.reuters.com/world/europe/french-police-arrest-suspects-after-crypto-kidnappings-2025-05-28/

https://www.france24.com/en/europe/20250528-france-arrests-suspects-over-spate-of-crypto-related-kidnappings

https://www.bbc.com/news/articles/cx88v97xqg0o

https://www.euronews.com/next/2025/05/29/france-crypto-kidnappings-what-we-know-about-the-rising-threat-against-bitcoin-million

https://www.wired.com/story/crypto-kidnappings-france-ledger/

https://www.forbes.com/sites/digital-assets/2025/05/30/france-crypto-kidnappings-highlight-growing-security-risks/

https://www.bitget.com/news/detail/12560605096442

https://www.id.tradingview.com/news/beincrypto:7dfb61221094b:0-vienna-crypto-murder-shocks-europe-as-kidnapping-wave-escalates/

https://www.taz.de/Gewaltverbrechen-haeufen-sich/!6086885/

https://www.anwalt.de/rechtstipps/physische-attacken-auf-krypto-investoren-253578.html

https://de.wikipedia.org/wiki/Crimenetwork

https://de.wikipedia.org/wiki/Kiarash_Hossainpur_(Hoss)

https://www.bka.de/DE/Presse/Listenseite_Pressemitteilungen/2024/Presse2024/240924_PM_Crimenetwork.html

Über den Autor

Christopher Castner ist Berater, Trainer, Speaker und Autor und verbindet psychologische Fachkompetenz mit tiefgehender Erfahrung im Sicherheitsbereich. Als Bedrohungsmanager des I-GSK begleitet er Organisationen im professionellen Umgang mit Bedrohungslagen und bildet darüber hinaus regelmäßig Unternehmen als Deeskalationstrainer im Bereich Gewaltprävention weiter.
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