/
/
/
Unsere Zukunft und Sicherheit – Wo stehen wir aktuell?

Unsere Zukunft und Sicherheit – Wo stehen wir aktuell?

Unsere Zukunft und Sicherheit – Wo stehen wir aktuell?

Ein realistischer Überblick auf Herausforderungen und Handlungsaufträge. 

Wir leben in einer Zeit permanenter Veränderungen, Transformation ist zum permanenten Modus Operandi geworden – gesellschaftlich, ökonomisch, politisch und technologisch. Wir erleben einen tiefgreifenden Wandel in allen Lebensbereichen, der mit exponentieller Geschwindigkeit voranschreitet. Uwe Gerstenberg ordnet all die Herausforderungen für uns selbst, für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Nicht, um zu alarmieren, sondern um einen Überblick zu schaffen und ein Bewusstsein für die vielfältigen realen Dynamiken zu erzeugen, die unsere Sicherheit prägen.

Zukünftige Entwicklungen erfordern ein Umdenken. Wir leben bereits in einer virealen Welt, in der die virtuelle und reale Welt verschmolzen sind. Dadurch entfallen die bisherigen Trennlinien zwischen digitalen und physischen
Strukturen.

Unternehmen müssen sich neuen Herausforderungen in Produktion und Märkten stellen, was den Transformationsprozess weiter beschleunigen wird – und das Thema Sicherheit wird beim Schutz von Unternehmensprozessen zunehmend eine Schlüsselrolle spielen. Negative Einflussfaktoren auf Produktion und Absatz werden rasant zunehmen. Kleinste Ereignisse können sich zu existenzgefährdenden Großschäden entwickeln. Die richtige Priorisierung der Risiken wird zukünftig über den Erfolg eines Unternehmens mitentscheiden.

Traditionelle Organisationen wechseln in hybride Arbeitsräume und die Arbeit, wie wir sie kennen, wird sich durch den Einsatz künstlicher Intelligenz komplett verändern. Somit wandeln sich auch die Anforderungen an die Mitarbeitenden in Bezug auf Ausbildung und Arbeitsalltag. Es entstehen neue Formen der Zusammenarbeit und folglich neue Arbeitswelten, die durch ökologische Nachhaltigkeit, Innovation, technologischen Fortschritt und Sicherheit gekennzeichnet sind. Es ist essenziell, zu akzeptieren, dass die digitale Transformation bereits Realität ist, wenn wir Sicherheit und Wohlstand erhalten wollen.

In dieser Zeit des Wandels ist es entscheidend, dass wir uns anpassen und die Chancen nutzen, die der Fortschritt bietet. Die Integration von künstlicher Intelligenz in unsere Arbeitsprozesse kann nicht nur die Effizienz steigern, sondern auch neue Möglichkeiten für Innovation und Wachstum schaffen. Es liegt an uns, diese Veränderungen aktiv zu gestalten und die Vorteile zu maximieren, während wir gleichzeitig die Herausforderungen meistern.

Wir müssen akzeptieren, dass wir bereits heute in einer virealen Welt leben.

Über Veränderungen und Zeitenwende wird umfassend debattiert. Das Problem ist nur, dass sich unser Umfeld rasant ändert. Gefühlt entwickelt sich die Zukunft immer schneller – und wir kommen nicht hinterher. Also müssen wir uns anpassen. Veränderungen betreffen unser Verhalten, unsere Gehirne und unsere geistige Gesundheit – unser Mindset. Hierbei steht die Erneuerung unserer Denkweisen im Mittelpunkt, also unsere Zukunftsfähigkeit im privaten wie im beruflichen Leben. Es ist nicht möglich, die Zukunft vorherzusagen. Aber es gibt eine Art des vorausschauenden Lernens, bei dem wir uns konkret mit der eigenen Zukunft beschäftigen. Entscheidungen, die wir treffen und realisieren, werden zu Bausteinen unserer Zukunft. Nur so können wir eine nachhaltige und sichere Entwicklung für uns gewährleisten.

Die Zukunft ist für jeden individuell und wird von unzähligen Faktoren innerhalb des eigenen Lebenszyklus bestimmt, beginnend mit der Geburt, der Familie, der Qualifikation, dem Berufsumfeld und Interessengebieten sowie der aktuellen Rolle in der Gesellschaft. Innerhalb unseres Lebenszyklus nehmen verschiedene Akteure wie Gesellschaft, Wirtschaft und Politik Einfluss auf unsere individuelle Zukunft. Dabei findet der Einfluss zu unterschiedlichen Zeiten statt. Wir müssen akzeptieren, dass wir bereits heute in einer virealen Welt leben, denn die virtuelle und reale Welt sind längst verschmolzen. Unser tägliches Leben ist der Beweis dafür und die Entwicklung geht stetig weiter. Unser Smartphone weckt uns nach einem Rhythmus, den eine KI errechnet hat. Wir erhalten Tipps von unserer Health-App zu Sport- und Essverhalten und fahren los, wenn die KI den Zeitpunkt zur Abfahrt bestimmt hat. Das Navigationssystem weist uns auf unvorhersehbare Ereignisse hin und schlägt Alternativrouten vor. Alles KI-gesteuert und von uns selbst in unseren Lebensalltag integriert. Wir leben bereits in einer virealen Gesellschaft mit einer virealen Wirtschaft und einer virealen Politik. Also müssen wir lernen, damit umzugehen und unsere Zukunft aktiv zu gestalten.

Zukunft und Sicherheit – die Herausforderungen

Die Welt steht vor vielschichtigen Herausforderungen, die keine Grenzen kennen und das Leben aller Menschen über Generationen beeinflussen – von klimatischen Veränderungen bis hin zu sozialen und wirtschaftlichen Verschiebungen. Diese globalen Entwicklungen erfordern unsere volle Aufmerksamkeit und gemeinsames Handeln.

Die Welt, in der wir leben, ist ein komplexes System. So führen die Folgen des Klimawandels in einem Teil der Erde zu Überschwemmungen und in einem anderen Teil der Erde zu Waldbränden als Folge von Dürre. Genauso haben wirtschaftliche Entscheidungen und politische Konflikte weitreichende Konsequenzen, die über bisherige Grenzen hinauswirken. Daraus entsteht die Notwendigkeit, gemeinsam Lösungen zu finden, die nicht nur lokal, sondern global greifen.

Die größten Herausforderungen beeinflussen unsere Zukunft und die Zukunft unserer Kinder. Dabei ist entscheidend, wie wir mit diesen Herausforderungen umgehen und welche Strategie wir zur Lösung vorsehen. Dabei gibt es nicht nur die großen Lösungen. Es sind vielmehr die kleinen Schritte in unserem täglichen Leben, die den Erfolg bringen. Doch dazu muss man die Herausforderungen kennen.

Herausforderung Klimawandel
Der Klimawandel bleibt eine der drängendsten Herausforderungen, denn extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel und der Verlust von Biodiversität bedrohen weltweit Ökosysteme und menschliche Siedlungen weltweit. Mit steigenden globalen Durchschnittstemperaturen erleben wir einen Wandel des Klimas, der das Antlitz unserer Erde tiefgreifend verändert. Extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Dürren und Überschwemmungen nehmen zu und bedrohen die Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen weltweit. Dieser Wandel ist jetzt Realität. Schmelzende Gletscher und Polkappen führen zu einem Anstieg des Meeresspiegels, der wiederum ganze Küstenregionen und Inselstaaten bedroht. Die Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, neue Wege zu finden, um trotz veränderter klimatischer Bedingungen die Ernährungssicherheit zu gewährleisten. Eine große Verantwortung trägt hier die Energieerzeugung. Fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas sind maßgeblich für den Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich. Die Umstellung auf erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit in der Produktion sind daher unumgänglich, um den Klimawandel zu begrenzen.

Herausforderung Ressourcenknappheit
Die Übernutzung natürlicher Ressourcen führt zu einem dramatischen Verlust an Biodiversität und zur Erschöpfung lebenswichtiger Rohstoffe. Ressourcenknappheit ist ein wachsendes Problem, das sich nicht nur auf natürliche Rohstoffe wie Wasser, Boden und Mineralien beschränkt, sondern auch Energiequellen betrifft. In Zeiten des globalen Wachstums und steigender Bevölkerungszahlen wird der nachhaltige Umgang mit Ressourcen zur kritischen Herausforderung. Die Übernutzung und der damit verbundene Raubbau an der Natur führen zu einer Verknappung, die nicht selten in Konflikten um die Verteilung dieser Güter mündet. Der verantwortungsbewusste Umgang und Effizienzsteigerung im Ressourcenverbrauch sind entscheidend, um eine dauerhafte Verfügbarkeit für alle zu sichern.

Herausforderung Soziale Ungleichheit
Globale Ungleichheiten in Bezug auf Einkommen, Bildung und Gesundheitsversorgung verschärfen Konflikte und Migration. Armut und soziale Ungleichheit zählen zu den schwerwiegendsten Problemen, denen sich die Weltgemeinschaft stellen muss. Trotz des globalen Wohlstandswachstums leben viele Menschen unter Bedingungen, die ein menschenwürdiges Dasein kaum ermöglichen. Diese Ungleichgewichte sind ein Kernhindernis auf dem Weg zu einer gerechten und inklusiven Welt.

Die Kluft zwischen Arm und Reich manifestiert sich sowohl in Einkommensunterschieden als auch im Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialen Diensten. Während einige wenige von Reichtum und Überfluss profitieren, kämpfen andere täglich ums Überleben. Dies führt zu sozialen Spannungen und kann die gesellschaftliche Stabilität gefährden.

Herausforderung Technologischer Wandel
Die rasante Entwicklung von Technologien wie künstlicher Intelligenz und Automatisierung stellt sowohl Chancen als auch Risiken dar. Es ist wichtig, diese Technologien verantwortungsvoll zu nutzen und gleichzeitig Arbeitsplätze und Daten zu schützen. Technologie und Digitalisierung prägen unsere moderne Gesellschaft und bieten ungeahnte Möglichkeiten für Wachstum und Entwicklung. Sie beeinflussen unser Berufsleben, unsere Kommunikation und den Zugang zu Informationen. Die Potenziale, die in der Digitalisierung liegen, ermöglichen es, Prozesse zu optimieren und innovative Lösungen für existierende und zukünftige Herausforderungen zu schaffen.

Im Bildungswesen beispielsweise erleichtern digitale Medien und das Internet den Zugang zu Wissen und fördern das selbstgesteuerte Lernen. In der Medizin ermöglichen telemedizinische Anwendungen und digitale Gesundheitsüberwachung eine verbesserte Patient:innenversorgung. Im Umweltsektor unterstützen Technologien bei der Überwachung von Klimaveränderungen und bei der effizienten Nutzung von Ressourcen. Dennoch sind mit der fortschreitenden Digitalisierung auch Risiken verbunden. Themen wie Datenschutz, Cybersicherheit und die digitale Kluft bedürfen sorgfältiger Betrachtung, um eine inklusive und sichere digitale Welt zu gewährleisten. Es darf nicht passieren, dass durch die Digitalisierung neue Formen von Ungleichheit entstehen und Menschen abgehängt werden.

Herausforderung Gesundheitskrisen
Pandemien und andere Gesundheitskrisen können, wie unlängst erlebt, globale Auswirkungen haben und erfordern daher eine koordinierte internationale Reaktion. Das weltweite Gesundheitssystem sieht sich zunehmend mit bedrohlichen Pandemien und grenzüberschreitenden Gesundheitsgefahren konfrontiert. Diese Herausforderungen bedürfen einer globalen Antwort und der Stärkung des internationalen Gesundheitssektors. Es wird schnell deutlich, dass in diesem Bereich Kooperation nicht nur eine Option, sondern vielmehr eine Notwendigkeit ist.

Der Ausbruch einer Pandemie zeigt umso mehr, wie essenziell ein gut funktionierendes, weltweites Gesundheitssystem ist. Hierbei geht es nicht nur um die Behandlung und Prävention von Krankheiten, sondern auch um die Forschung und Entwicklung von Impfstoffen und die schnelle Verfügbarkeit medizinischer Versorgung für alle Bevölkerungsgruppen. Gesundheitliche Aufklärung und der Zugang zu Informationen spielen eine zentrale Rolle, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Auch die Förderung starker lokaler Gesundheitssysteme ist entscheidend, um auf Notfälle reagieren zu können und resiliente Strukturen zu schaffen. Um dies zu erreichen, müssen die Ressourcen gerechter verteilt und die Gesundheitssysteme in ärmeren Regionen unterstützt werden.

Herausforderung Demografischer Wandel
Alternde Bevölkerungen in vielen Ländern stellen Herausforderungen für Rentensysteme und Gesundheitsversorgung dar. Der demografische Wandel fordert insbesondere Deutschland mehrfach:

→ Alternde Bevölkerung
Die Zahl der Menschen im Alter über 65 Jahre nimmt stetig zu, während die Geburtenrate niedrig bleibt. Dies führt zu einer schrumpfenden und alternden Bevölkerung.

→ Fachkräftemangel
Renten-, Pflege- und Gesundheitssysteme basieren auf dem Generationenvertrag, der durch die zunehmende Zahl älterer Menschen und die geringere Zahl junger Beitragszahler: innen unter Druck gerät.

→ Sozialsysteme unter Druck
Der Arbeitsmarkt leidet unter einem Mangel an qualifizierten Arbeitskräften, was durch den demografischen Wandel weiter verschärft wird.

→ Anpassung der Infrastruktur
Städte und Gemeinden müssen ihre Infrastrukturen an die Bedürfnisse einer älter werdenden Bevölkerung anpassen, was neue Herausforderungen und Kosten mit sich bringt.

→ Veränderte Lebensstile
Die Lebenslagen und Lebensstile von Menschen ändern sich, was Auswirkungen auf Konsumverhalten, Wohnformen und soziale Interaktionen hat.

Diese Herausforderungen verlangen nach innovativen Lösungen und einer Anpassung der politischen und wirtschaftlichen Strategien.

Herausforderung Friedenssicherung und Beseitigung politischer Konflikte
Politische Konflikte stellen zunehmend eine ernsthafte Bedrohung für die globale Stabilität und Sicherheit dar. Regionale Auseinandersetzungen haben in einer vernetzten Welt schnell weitreichende Folgen, die über die Grenzen der betroffenen Staaten hinausgehen und internationale Dimensionen annehmen. Friedenssicherung und die Prävention von Gewalt sind somit zentrale Aufgaben der internationalen Gemeinschaft.

Die Ursachen für politische Konflikte sind vielfältig und oft tief verwurzelt. Sie reichen von historischen und territorialen Streitigkeiten bis hin zu sozialen Ungleichheiten und ethnischen Spannungen. Eine nachhaltige Friedenssicherung muss all diese Faktoren berücksichtigen und nach Lösungen suchen, die mehr als nur symptomatische Behandlung von Konfliktsituationen darstellen. Friedenserhaltende Maßnahmen können diplomatische Bemühungen, Friedensmissionen sowie wirtschaftliche Anreize und Sanktionen umfassen. Diese Werkzeuge sollen Konfliktparteien an den Verhandlungstisch bringen und Lösungen fördern, die eine dauerhafte Stabilität und Gerechtigkeit für die betroffenen Bevölkerungen ermöglichen.

Herausforderung Demokratie im Wandel
Wahlen sind das Kernstück der Demokratie und als solches besonders schützenswert. Insbesondere müssen Wahlen vor illegitimer Einflussnahme durch fremde Staaten geschützt werden. Bestimmte, oftmals autokratische Staaten versuchen gezielt, auch abseits ihres eigenen Einflussbereichs das Wahlverhalten zu steuern sowie insgesamt die Legitimität von Wahlen in Zweifel zu ziehen und das Vertrauen der Bürger:innen in demokratische Prozesse und Institutionen zu schwächen. Die Komplexität und die Vielfältigkeit der Herausforderungen bedingen, dass die Lösungen umso einfacher sein müssen – sind sie auch, wenn wir uns in allen Belangen zurücknehmen und uns wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Doch bevor wir alle im Land „Harmonia“ leben können, müssen wir die Probleme systematisch, gemeinsam und nachhaltig angehen.

Augen auf – Hände an die Schalthebel

Wir sind dabei, den Bezug zur Realität zu verlieren. Das dringendste Problem, vor dem wir stehen, wird von der Politik eher im Verborgenen bearbeitet und einige Medien verschließen wiederholt die Augen vor der heraufziehenden Bedrohung für Deutschland, Europa und die gesamte westliche Welt. Die Bösewichte verbünden sich, um die internationalen Machtverhältnisse neu zu ordnen. Es wirkt wie das Drehbuch eines neuen James-Bond- Films, doch es ist Realität. Wir alle sind Statist:innen in dem großen Weltspiel – jedoch: Es ist kein Spiel, sondern bitterer Ernst.

Seit der russischen Invasion der Ukraine haben sich auch Russlands Sabotageakte in Nordamerika und Europa verstärkt. Diese hybriden Kriegsführungskampagnen zeigen Russlands grenzenlose Außenpolitik. Parallel dazu führt Russland einen Schattenkrieg gegen die NATO, um das Bündnis zu destabilisieren und von der Unterstützung der Ukraine abzubringen. Mit einer Schattenflotte unter fremder Flagge umgeht Russland das nach Beginn seines Kriegs gegen die Ukraine verhängte Ölembargo. Nach der Beschädigung mehrere Unterseekabel hatten die finnischen Behörden einen in Russland gestarteten Tanker gestoppt. Das Schiff hatte den Schaden mutmaßlich durch seinen am Boden schleifenden Anker verursacht und wird verdächtigt, zur Schattenflotte zu gehören. Die Spannungen im Ostseeraum haben seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 zugenommen, wie etwa die NDR Story Ostsee unter Waffen – Was treibt Russlands Schattenflotte? dokumentiert. Als Reaktion auf den Krieg traten die lange bündnisfreien nordischen Staaten Schweden und Finnland der NATO bei. Laut Bericht der Helsinki-Kommission wurden seit Beginn der russischen Invasion der Ukraine fast 150 hybride Operationen Russlands auf NATO-Gebiet bestätigt oder vermutet. Diese Operationen lassen sich in vier Kategorien einteilen: Angriffe auf kritische Infrastrukturen, Gewaltkampagnen, bewaffnete Migration sowie Wahlbeeinflussung und Informationskampagnen.

Kein Krieg, aber auch kein Frieden

Russlands aktive Maßnahmen innerhalb der NATO sind effektiv, da sie unterhalb der Kriegsschwelle bleiben. Die Eskalation der hybriden Kampagnen zeigt jedoch eine gezielte Haltung gegenüber dem transatlantischen Bündnis, die mit der Invasion in der Ukraine einhergeht. Diese Kampagnen reichen von Cyberangriffen bis hin zu versuchten Attentaten und Terroranschlägen. Seit 2022 gleichen sie einem verdeckten Schattenkrieg. Dagegenhalten geht nur gemeinsam. Die Bedrohungslage in Europa steigt und anhand der Sabotageakte befindet sich die NATO derzeit nicht mehr in einem wirklichen Friedenszustand. Staatliche Aggressionen seitens Russland, dem Iran und ihren Verbündeten zielen explizit auf einzelne NATO-Mitgliedstaaten, die dann hybriden Angriffen ausgesetzt sind, die nicht mit Raketen und Bodentruppen ausgeführt werden. Bei hybriden Angriffen werden Mittel der nicht klassischen Kriegsführung in verschleierter Form eingesetzt, um anderen Ländern zu schaden. Die Angriffe sind maßgeschneidert und umfassen das volle Spektrum: Drohnen gegen kritische Infrastruktur, Agent:innen für die gezielte Sabotage von Strommasten und großangelegte Fake-News-Kampagnen zur Diskreditierung von Politiker:innen und Behörden.

Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnten Wehrpflicht und Einberufungen die angespannte Situation zusätzlich belasten. Deutschland als zentrales NATO-Drehkreuz spielt eine logistische Schlüsselrolle, durch die im Ernstfall bis zu 500.000 Soldat:innen in alle Himmelsrichtungen transportiert werden müssen. Eine solche Verteidigung würde massiv Ressourcen beanspruchen und neue Fragen aufwerfen: Wer bewacht die kritische Infrastruktur, wenn militärische Kräfte mobilisiert werden? Wer sichert Krankenhäuser, Energieversorgung und öffentliche Plätze? Der demografische Wandel trifft staatliche wie private Organisationen gleichermaßen. Wenn der Staat zusätzliche Kapazitäten beansprucht, bleiben der Privatwirtschaft noch weniger Menschen. Die Bedrohung ist real. Der Generalinspekteur der Bundeswehr warnt, dass spätestens 2029 eine Eskalation droht. Das Clausewitz Netzwerk für Strategische Studien hält diese Prognose für zu optimistisch und rechnet bereits 2027 mit einer Eskalation, die den Dominoeffekt auslösen könnte. Allen Beteiligten ist klar, Russland wird die NATO testen. Bis dahin bleibt Zeit, das Zusammenspiel von Privatwirtschaft und Staat, Technologie und Mensch, von Innovation und Bestand zu trainieren. Europa hat keine andere Wahl, als seine Ressourcen effizient zu nutzen, anstatt sich in Zuständigkeitsstreitigkeiten zu verlieren.

Eine Antwort auf die Bedrohung
Der Operationsplan Deutschland OPLAN DEU ist ein strategisches Konzept zur Stärkung der Verteidigungs- und Sicherheitskapazitäten der Bundesrepublik Deutschland angesichts neuer Bedrohungen. Er integriert militärische, zivile und infrastrukturelle Maßnahmen, um das Land vor hybriden Bedrohungen wie Cyberangriffen, Informationskrieg und Angriffen auf kritische Infrastrukturen zu schützen.

Im militärischen Bereich legt der OPLAN DEU den Fokus auf die Modernisierung der Bundeswehr, um schnelle Eingreifkapazitäten und territoriale Verteidigung auszubauen. Dazu gehören eine enge Kooperation mit NATO- Partnern und die Integration internationaler Verbündeter durch gemeinsame Übungen und eine bessere strategische Abstimmung.

Ein weiterer zentraler Bestandteil ist die Zusammenarbeit mit privaten Sicherheitsdienstleistern, besonders im Bereich der Überwachungs- und Sicherheitstechnologie. Der Plan sieht vor, private Dienstleister gezielt in die Sicherheitsstruktur zu integrieren, klare Kompetenzen zuzuweisen und den Datenaustausch datenschutzkonform zu regeln.

Zur Krisenvorsorge zählt die Sensibilisierung der Bevölkerung für Resilienz, Selbsthilfe und Krisenkommunikation. Informationsplattformen sollen im Ernstfall schnelle Orientierung bieten und die Handlungsfähigkeit stärken. Der Operationsplan Deutschland schafft eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie, die alle relevanten Akteur:innen einbindet und Deutschland auf ein hohes Maß an Widerstandsfähigkeit vorbereitet.

Die NATO-Staats- und Regierungschefs sind sich über die Absicht und das Ausmaß der russischen hybriden Operationen einig. Hybride Kriegsführung bedroht Gesellschaft und Demokratie. Die NATO wurde gegründet, um russischer Aggression entgegenzutreten; und Russlands Versuche, die Sicherheit und Stabilität der Bündnismitglieder zu untergraben, sind ein Affront gegen die Grundlagen und die Kernaufgabe des Bündnisses. Wenig verwunderlich, dass das Sicherheitsgefühl der Deutschen einen neuen Tiefpunkt erreicht hat. 61 Prozent der Bundesbürger:innen machen sich große Sorgen, dass Deutschland in einen militärischen Konflikt verwickelt werden könnte. 79 Prozent der Deutschen sind der Ansicht, dass von Russland derzeit die größte Gefahr für den Frieden in der Welt ausgeht.

Unser bisheriges Leben in Frieden und Freiheit ist in der Zukunft nicht mehr garantiert. Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern muss stets gegen Feind:innen von innen und außen verteidigt werden. Wenn wir dazu nicht in der Lage sind, gibt es keine Garantie für unseren Wohlstand in Freiheit. Es ist ein Gestaltungsauftrag mit Dringlichkeit, dem wir uns gemeinsam auf allen Ebenen widmen müssen. 

Quellangaben
Gastbeitrag von Uwe Gerstenberg im aktuellen Report des Zukunftsinstituts
Titelbild von Albert – stock.adobe.com (geniert mit KI)

Über den Autor

Uwe Gerstenberg, geboren 1961 in Berlin, schied 1987 als Offizier aus der Bundeswehr aus. Als Militärpolizist war er national und international im Einsatz und in den letzten Jahren seiner Dienstzeit in der Sicherungsgruppe des Bundesministeriums für Verteidigung beschäftigt. ⇒ mehr erfahren
© Security Explorer