Der westasiatische maritime Konfliktraum

Der westasiatische maritime Konfliktraum

Der Irankrieg hält an. Die militärischen Enthauptungsschläge Israels und der USA versetzten den Iran in den von Sun Tzu beschriebenen „Death Ground“.

Durch ihren Kampf ums Überleben wurde die iranische Führung ideologisch und militärisch konsolidiert: Sie hat nichts zu verlieren und gleichzeitig die Fähigkeit entwickelt, die Weltwirtschaft durch die Blockade der Straße von Hormus asymmetrisch zu erpressen. Steigende Energiepreise reduzieren die politische Stabilität von Ländern weltweit.

Maritime Kräfte können die Meerenge blockieren, nicht jedoch ihre Öffnung erzwingen.

Eine dauerhafte Sicherung ist nur mit der Kontrolle der Anrainer- und Gegenküsten möglich. Um eine weltweite Rezession durch die dauerhafte Schließung zu verhindern, reichen allein die maritimen Fähigkeiten der USA nicht aus. Allerdings erschwert die Komplexität des Konfliktraums die Koordination der Entscheidungsfindung bei militärischen Operationen zwischen der NATO, der EU und der UN. Während eine deutsche Fregatte die Luftraumüberwachung als Teil der UN-Mission UNIFIL im östlichen Mittelmeer unterstützt, bleibt die Vorstationierung des Tenders Mosel und des Minenjagdboots Fulda der deutschen Marine bisher ohne Mandatierung. Ohne ausreichende Fähigkeiten zur Selbstverteidigung gegen Luftangriffe bleibt die Minenräumung bis zum Ende der Kampfhandlungen unmöglich.

Der historisch als „Great Game“ bezeichnete Konfliktraum zwischen Afghanistan, Persien und Tibet um Handelslinien und Vorherrschaft erstreckt sich heute als Teil des westasiatischen maritimen Konfliktraums über fünf Räume:

  1. Die Meerenge von Hormus als Nadelöhr des weltweiten Energietransports, welche der Iran als Lebensversicherung um jeden Preis kontrollieren will.
  2. Der Golf von Oman als Verfügungsraum internationaler Seestreitkräfte, insbesondere für Carrier Strike Groups zur Machtprojektion. Häfen wie Dschibuti dienen als logistische Knotenpunkte.
  3. Das Rote Meer als Verbindung vom Mittelmeer über Bab al-Mandab zum Arabischen Meer. Die mit dem Iran verbündete Huthi-Miliz im Jemen droht erneut mit Angriffen auf die Seewege, was potenziell erhebliche maritime Kräfte für den Geleitschutz im Rahmen der EU-Operation Aspides sowie der US-Operation Prosperity Guardian binden würde.
  4. Im östlichen Mittelmeerraum strahlen die Kämpfe Israels gegen die mit dem Iran verbündete Hisbollah bis nach Zypern aus und binden maritime Einheiten für Evakuierung, Luftverteidigung und Seeraumkontrolle.
  5. Die verbindende Landmasse als Abstützung für Schiffe und U-Boote, wie die stationierten US-Basen in den Golfstaaten als Abstützpunkte für die Luftstreitkräfte. Sie sind Ziele ballistischer Luftangriffe des Iran. Zusätzlich sind Irak, Syrien, Libanon, Somalia und der Iran durch bewaffnete Akteure in den Konflikt verbunden.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen treffen die ganze Welt. Sollten die Huthis Bab al-Mandab erneut sperren, verschärfen längere Seewegrouten um die Südspitze Afrikas die Lage. Steigende Energiepreise machen Investitionen in die Umgehung der Konfliktzonen durch alternative Transportwege und Energiequellen attraktiver, was mittelfristig die Handels- und Sicherheitsarchitektur verändert.

Die Ausdehnung militärischer Operationen mit dauerhafter Stationierung von Truppen im Libanon, Gaza und Syrien durch Israel verschärft die Spannung zur Türkei, wo beide als Regionalmächte konkurrieren. Die Komplexität des westasiatischen Konfliktraums mit seinen asymmetrischen Kräfteverhältnissen, der Blockade strategischer Meerengen und der Verkettung von Teilkonflikten erlaubt Analogien zum Südostpazifik. Die Straße von Malakka und die Taiwanstraße erlangen eine ähnliche strategische Bedeutung wie die Straße von Hormus und Bab al-Mandab im westasiatischen Konfliktraum.

Quellenangaben
Titelbild von schreiberVIS – stock.adobe.com

Zuerst erschienen 
Clausewitz Netzwerk für strategische Studien © vom 19.07.2026 

Über die Autoren
Korvettenkapitän Christoph Scharf  trat 2009 in die Bundeswehr ein. Nach der Offizierausbildung in der Marine absolvierte er ein Studium der Wirtschafts- und Organisationswissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München. Ab 2015 diente er auf Fregatten der Marine und war zuletzt Schiffsoperationsoffizier auf Fregatte HESSEN. In den Jahren 2017 und 2018 nahm er am Personal Exchange Program mit der US-Navy als Navigationsoffizier auf USS FARRAGUT teil und war anschließend als Teilnehmer des nationalen General- und Admiralstabslehrgangs (2023) an der Führungsakademie in Hamburg. Seit Oktober 2025 ist Fregattenkapitän Scharf Erster Offizier auf Fregatte Baden-Württemberg.

Dr. phil. Martin C. Wolff ist ein deutscher Philosoph, Unternehmer und Strategieexperte mit Schwerpunkt auf Digitalisierung, Sicherheit und staatlicher Resilienz. Er lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Hasso-Plattner-Institut zur Ethik, Ökonomie und Digitalisierung. Als Gründer mehrerer Technologieunternehmen entwickelt er Lösungen für Cybersicherheit und digitale Souveränität. Seit 2019 ist er Vorsitzender des Clausewitz Netzwerks für Strategische Studien (CNSS), seit 2021 Leiter des Internationalen Clausewitz-Zentrums an der Führungsakademie der Bundeswehr. Er ist Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Über den Autor

Dr. phil. Martin C. Wolff ist ein deutscher Philosoph, Unternehmer und Strategieexperte mit Schwerpunkt auf Digitalisierung, Sicherheit und staatlicher Resilienz. Er lehrt an der Humboldt-Universität zu Berlin und am Hasso-Plattner-Institut zur Ethik, Ökonomie und Digitalisierung. Als Gründer mehrerer Technologieunternehmen entwickelt er Lösungen für Cybersicherheit und digitale Souveränität.
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