Wer sich dem Gebäude im Zentrum der iranischen Metropole Teheran nähert, wird mit der jüngeren Geschichte der „Islamischen Republik Iran“ konfrontiert. „Down with USA“ ist immer noch in dicken Lettern an die mannshohen Mauern gesprüht. Etwas weiter daneben sind Aussagen des Revolutionsführers Ayatollah Khomeini aus den 80er Jahren zu lesen: „In diesem Gebäude befand sich das größte Spionage- und Agentennetzt des gesamten Nahen – und Mittleren Osten!“ In dem Gebäude residierte zu Zeiten des Schahs in Persien die Botschaft der USA, es residierten hier auch die Abhörexperten des CIA. Am 4.November 1979 stürmte ein von den radikalen Parolen Khomeinis aufgeputschter Mob fanatischer Anhänger die diplomatische Vertretung der USA. 63 Botschaftsangehörige wurden in eine 444 Tage dauernde Geiselhaft genommen. Schock und Demütigung für die USA zugleich.
Heute sitzt in dem ehemaligen „Spionagenest“ der Wächterrat – das politische und religiöse Zentrum der Iranischen Republik. Machtzentrum für alles, was im Innern und außerhalb des theokratischen Mullah-Staates geschieht. Hier laufen auch die Befehlsstränge für den wichtigsten Machtapparat der iranischen Regierung zusammen: die Revolutionsgarde oder Pasdaran. Ihren „Wert“ für die Mullahs zeigte sich angesichts der jüngsten Proteste gegen das Regime, indem die Truppe tausende Demonstranten brutal niederknüppelte oder erschoss.
Die im Mai 1979 etablierte Truppen ist bis heute dem Obersten Religionsführer, derzeit noch Ali Chamenei, direkt unterstellt.
Die Stärke der Garde wird aktuell um 200 000 geschätzt. Abseits der iranischen Armee sind die Pasdaran das eigentliche militärische Momentum des Iran. Sie ist de facto eine Paralellarmee. Nach dem ersten Golfkrieg (1980-88) entwickelten sich die Pasdaran zum einflussreichsten operativen Arm der Regierung zur Überwachung politischer Gegner im Innern. Sie sind nicht nur neben dem Geheimdienst die eherne Säule für die Stabilität der autoritären Regierung, sie profilieren sich auch auf anderen Ebenen. In fast allen Wirtschaftszweigen des Landes sitzen Vertreter der Pasdaran. Wie eine reguläre Armee besitzen auch die Garden Heer, Marine, Luftwaffen-Einheiten.
Wenn sie auftauchen, geht es immer um Niederschlagung von Protesten oder regimefeindliche Aktionen. Gemeint ist neben der Revolutionsgarde die sogenannte Basidsch-Miliz. Auch diese Truppe wurde nach der Revolution von 1979 gegründet. Rund 150 000 Kämpfer sind jederzeit abrufbar. Genaue Zahlen gibt es nicht.1981 wurde die Basidsch-Miliz als paramilitärische Einheit der Revolutionsgarde unterstellt. Rekrutiert wird die Masse der Miliz-Truppe aus den ärmeren iranischen Schichten. Man lockt sie mit Vorteilen, wenn sie sich für den religiösen Staat einsetzen, und verspricht ihnen bessere soziale Aufstiegschancen. Ein perfides Mittel der Machthaber besteht u.a. darin, Mitglieder der Basidsch-Miliz in die Universitäten undercover einzuschleusen, um Systemgegner zu bespitzeln und eventuelle Unruhen im Keim zu, melden und zu ersticken.
In ihrer militärischen und terroristischen Professionalität den „normalen“ Pasdaran und der Basidsch gegenüber weit überlegen sind jedoch noch die al Quds Brigaden, die Spezialeinheit der Revolutionswächter!
Sind Pasdaran und Basidsch Überwachungs- und Unterdrückungsapparat der Regierung gegen Opposition und Aufbegehren im Innern, fungieren die Quds-Brigaden als militärischer Arm der Pasdaran in der islamischen Welt und darüber hinaus. Sie sind der Terrorarm der Mullahs.
Sie wurden Anfang 1980 aufgestellt. Ihr Name leitet sich, fast programmatisch für die Stoßrichtung, von der arabischen Bezeichnung für Jerusalem, al Quds, ab. Sie ist dem Religionsführer direkt unterstellt. Ihre Stärke wird auf ca. 20 000 Mitglieder geschätzt. Ihre Aufgabe war es weltweit, besonders in der islamischen Welt, eine Art Revolutionsexport nach den Vorstellungen der Ayatollahs in Teheran durchzuführen. Partnerverbände der Quds Brigaden sind vor allem die Hisbollah im Libanon, die Hamas in Gaza sowie die Huthi Milizen im Jemen. Allesamt Akteure der von Israels Armee während des Gaza Krieges weitgehend zerstörten sogenannte „Achse des Widerstandes“. Eine weitere Schwächung dieser Allianz des Terrors erfuhren Pasdaran und al Quds durch den Sturz ihres früheren Verbündeten, des syrischen Diktators Assad.
Im Kontext der iranischen Sicherheitsarchitektur kommt den Quds Brigaden ob ihrer Funktion als „Exporteure“ der außenpolitischen Ambitionen Irans in der Region eine noch größere Bedeutung als der „Mutterorganisation“, den Pasdaran, zu. Die Quds Brigaden sind der verlängerte Arm, die operative Speerspitze Teherans, in der gesamten Golfregion und über den Nahen- und Mittleren Osten hinaus. Dass dies so war oder immer noch ist, verdanken die Regierenden in Teheran Generalmajor Qassem Soleimani, seit März 1998 Kommandeur der Quds Einheit. Er galt als genialer Strippenzieher, Architekt des iranischen Terrors, gewiefter Stratege und wichtigster Berater des Revolutionsführers Ali Chamenei. Die USA wussten, wen sie am 3. Januar 2020 durch einen Raketenangriff mittels einer Drohne vom Typ Reaper ausschalteten, Der Quds Chef starb in einem „Feuerball“ nahe des Bagdader Flughafen, als er sein Auto verließ. Seither gilt Soleimani vielen in Iran als Heiliger.
Ein Blick auf die Aktionen der Quds Brigaden verrät, wie dicht das operative Netz maßgeblich durch ihren strategischen Kopf Soleimani geknüpft wurde und wohl immer noch existiert. , Ein faszinierendes Gemälde. Die Tentakel des iranischen Terrors greifen über den Mittleren und Nahen Osten hinaus bis nach Europa und Südamerika. Dort existieren noch Hochburgen der Hisbollah, die neben Aktionen gegen Israel auch im südamerikanischen Drogensumpf verstrickt ist. Auch in den fernen Osten, zu schiitischen Glaubensbrüdern, zieht sich ein Strang der al Quds Kader.
Diplomatische Tarnung sichert das fein gesponnene Netz iranischer Interessen ab. Westliche Nachrichtendienste wissen: In jeder Botschaft des Iran im Ausland sitzen Vertreter der al Quds Brigaden. Sie sind Auslandsoperateure für Spionage, Sabotage, Drogenhandel und Terror.
Ein Schwerpunkt der Quds Brigaden in den letzten Jahren lag bis zur Niederlage der Hisbollah im Libanon. 1982 nach dem Einmarsch der Israelis und der Zerschlagung der alten PLO-Hochburg in diesem Land spielte der Auslandsarm der Pasdaran die entscheidende Rolle beim Aufbau der proiranischen Schiitenmiliz Hisbollah. Bis in die Gegenwart pumpte der Iran Unmengen an Waffen und Munition in die Depots der Hisbollah.
Gaza Krieg und Israels Reaktion auf den Terrorangriff vom 7.Oktober 2023 haben die Nahostregion verändert. Iran und seine Terrorkomplizen haben Handlungsspielraum eingebüßt. Zumal der 12-Tage-Krieg Israel mit den USA die iranische Luftabwehr aus dem Spiel genommen hat. Die jüngsten massiven Proteste gegen den „Gottesstaat“ und seine Führung verraten: Die Zündschnur am Terrorregime der Mullahs brennt, wann sie ihren Explosionsherd erreicht, scheint nur noch eine Frage der Zeit!
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